Ich bin heute gefragt worden, ob es für uns, vom Shaolin Tempel Steyr, Wettkämpfe gibt und ob wir daran teilnehmen. Auf meine Antwort, dass es prinzipiell schon Wettkämpfe gäbe, wir das aber weder forcieren, noch explizit darauf trainieren, kam der Einwand, dass es ohne Ziel schwer sein würde Motivation zu finden, um sich selbst mit körperlicher Ertüchtigung zu quälen. Das brachte mich zum Überlegen, was eigentlich wirklich unser Ziel ist. Die Antwort ist ganz klar: Zufriedenheit.

Damit ist nicht gemeint, sich mit allem einfach zufrieden zu geben, denn wenn man das ausprobiert, wird man schnell merken, dass es nicht funktioniert. Ja, man bewirkt damit sogar das Gegenteil: Die Unzufriedenheit wird immer mehr! Um damit klar zu kommen, flüchtet man sich in eine Scheinwelt in der alles wunderbar ist, alles schon so passt wie es ist. Der Schleier dieser Scheinwelt verhüllt aber letztendlich die Sicht auf die Dinge, so wie sie sind und die vermeintlich gewonnene Zufriedenheit bleibt eine Illusion.

Ein weiterer Weg, wie versucht wird Zufriedenheit zu erlangen, ist sich einen Zustand, ein Leben, ein Ziel vorzustellen, mit dem man zufrieden wäre und dann alles daran zu setzen, dies zu erreichen. Mann muss sich also zunächst durchbeißen, sich zu quälen und hart arbeiten, bis man letztendlich erreicht hat, wovon man geträumt hat. Ist schlussendlich das Ziel erreicht, stellt sich Zufriedenheit ein. Oder doch nicht? Vielleicht kurz, bis man merkt, dass die Realität vielleicht doch nicht ganz den Vorstellungen entspricht. Dann beginnt das Spiel von vorne oder man benutzt die Ausfahrt in die wunderbare Scheinwelt.

Ist Zufriedenheit also nur eine Illusion, eine Sehnsucht der wir nacheifern und nie erreichen, wie es auch viele andere Dinge wie Liebe, Gesundheit, Beachtung usw. zu sein scheinen. Sind das alles nur Karotten die vor unseren Nasen baumeln um uns das Leben ertragbar zu machen? Nein! Denn die meisten von uns haben das Gefühl der Zufriedenheit, der Liebe usw. ja schon empfunden, sie sind also real. Die Illusion ist die, dass diese Zustände, einmal erreicht, für immer wären und dass diese kurzen Momente der Zufriedenheit nur ein Vorgeschmack auf die wahre Zufriedenheit seien. In Wahrheit sind es aber diese Momente oder besser gesagt der Moment, hier und jetzt, der zählt. Woanders können wir nicht sein. Wie denn auch?

Zufriedenheit erreicht man, in dem man jeden Moment so nimmt wie er ist, ohne sich einzureden, dass alles super ist, ohne sich Vorzustellen wie er sein sollte und ohne daran zu glauben, dass es für immer so bleibt. Nun, wie macht man das? Das ist ja wieder so ein Zustand dem man hinterherläuft, wird der eine oder andere denken. Stimmt! Denn mit Worten und Vorstellungen kann man Worte und Vorstellungen nicht überwinden. Man muss etwas tun! Man muss Leben, Erfahrungen mache, in jedem Augenblick sein bestes geben, spüren und achtsam sein. Dann erkennt man, dass man eigentlich schon zufrieden ist.

Diese Zufriedenheit führt dann übrigens nicht zur Passivität, sondern führt dazu, dass man aufmerksam und aktiv durchs Leben schreitet. Ziele sind nichts was zu erreichen wäre, sie sind Ausgangspunkte für Wege, bei denen wir in Wahrheit nicht wissen wo sie uns hinführen.

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